29.04.2021 (Abend)

Auch die Kinderzuteilungsindustrie, wie jede „Branche“, welche sich ums Wohl derjenigen kümmern sollte, die (angeblich) oder tatsächlich nicht selbst für sich und ihre Rechte einstehen können, ist durchsetzt von Menschen, die es offensichtlich nicht lassen können, ihre Macht unter dem Deckmäntelchen „der guten Ordnung halber“ an augenscheinlich Schwächeren auszulassen. Leider hat sich nun auch der Leiter der Erziehungsberatung Bern nicht als Ausnahme von der Regel entpuppt.

Als ich gestern Mittag ins Büro kam, fand ich dort einen eingeschriebenen Brief der Bildungs- und Kulturdirektion des Kanton Bern vor. Erstaunt konstatierte meine Mitarbeiterin, das es darin ja um R. und gar nicht um einen unserer Klienten ginge. Mein Scanner förderte zwei Minuten Später dann Folgendes zutage:

„Ihr Verhalten und Kommunikation betr. Johannes Zuber in Gespräch, am Telefon und in Blog

Sehr geehrte Frau X  

Losgelöst von unserem Auftrag der psychologischen Begleitung Ihres Sohnes auf unserer Beratungsstelle durch Herrn Johannes-Zuber, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologe FSP und Ihrer nachvollziehbaren Betroffenheit über den langen Kontaktunterbruch zu R. halte Ich folgendes fest

  Sie haben am Informationsgespräch von Herrn Zuber zu der therapeutischen Begleitung ihn beschimpft und wollten sein Beratungsraum nicht verlassen. Herr Zuber wandte sich dann an mich als Stellenleiter und ich musste Sie bitten, den Raum zu verlassen. Anlässlich dieses kurzen Kontaktes haben Sie Herrn Zuber fachlich disqualifiziert.

  An unserem Telefongespräch des folgenden Tages mit mir haben sie erneut massive Beschimpfungen und Disqualifikationen gegenüber Herrn Zuber geäussert und in Aussicht gestellt, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Zudem haben Sie gedroht ihn wegen übergriffigem Verhalten gegenüber Ihrem Sohn zu beschuldigen.

  In Ihrem Blog 20.04.2021 (Abends — entfremdet — der Blog) nennen Sie meinen Mitarbeiter und unsere Beratungsstelle namentlich, kritisieren und disqualifizieren Herrn Zuber auch hier massiv.

    Wie ich Ihnen im Telefongespräch vom 21.04.2021 mitteilte toleriere ich als Stellenleiter Ihr Verhalten in keiner Weise. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihre Verhaltensweisen überdenken und solches Verhalten ab sofort unterlassen. Ich werde diesbezüglich aufmerksam sein und bei Bedarf weitere Schritte prüfen.

  Betr. Ihrem Anliegen habe ich Ihnen geraten, sich mit der Beiständin in Verbindung zu setzen, damit Massnahmen zur Kontaktpflege zwischen Ihnen und R. und allenfalls zur Verbesserung der Kooperation auf Elternebene geprüft werden können.

  Die Unterstützung für R. auf unserer Beratungsstelle durch Herrn Zuber wird bis auf weiteres fortgesetzt.“

Will übersetzt heissen:

  • Fachpsychologen FSP können zwar Situationen vollkommen falsch einschätzen, kritisieren und – der entstandenen Folgen wegen – auf sie sauer sein sollte man als Mutter aber nicht.
  • Ein Fachpsychologe FSP fühlt sich beschimpft, wenn man seine Verhaltensweisen spiegelt oder ihm sagt, dass er selbstgerecht ist.
  • Fachpsychologen FSP dürfen behaupten, die Mutter aber müsste beweisen.
  • Fachpsychologen FSP dürfen Eltern als vollkommen unbedarfte Individuen behandeln; sie fühlen sich angegriffen, wenn die Mutter ebenfalls Fachwissen einbringt.
  • Fachpsychologen FSP machen NIE Fehler, und deshalb brauchen sie sich auch NIE zu entschuldigen.
  • und: Stellenleiter deckeln solch inkompetentes Verhalten, stellen sich schützend vor solche Mitarbeiter und drohen negative Konsequenzen an, sollte die Mutter sich erfrechen, derlei Begebenheiten öffentlich zu machen.

Daran ändert sich auch dann nichts, wenn sich die Mutter Tags darauf im Gespräch und gleichentags im Blog durchaus selbstkritisch zu dem Vorfall am Vortag äussert. Sie ist schlussendlich eben doch nur halb so blöd, wie sie aussieht, und deshalb ist sie sich der Tatsache nur allzu bewusst, dass Eskalationen wie diejenige im Büro des Fachpsychologen FSP Zuber nicht wirklich zum alltäglichen Verhaltensrepertoire gehören; sie weiss wohl, dass diese Art von Ausraster und Provokationen das Resultat mehrfacher Traumata durch behördlichen Machtmissbrauch mit daraus resultiertem Kindsentzug und daher letztentdlich Ausdruck unsäglicher Ohnmacht und Verzweiflung sind. Sie ist sich – ganz im Gegensatz zum Fachpsychologen FSP, der scheinbar bereits Kraft seines Titels unfehl- und deshalb unantastbar ist, denn auch nicht zu schade, dies dem Stellenleiter gegenüber im Gespräch vom 21.04.2021 einzugestehen. Leider lässt sie sich dann auch noch – aus der nun offenbar irrigen Hoffnung heraus, vielleicht doch einmal mit anderen Augen gesehen zu werden -, noch zum Geständnis hinreissen, dass sie im Grunde nur unendlich traurig über den Verlust ihres einzigen Sohnes sei. Dass so etwas wohl zum Furchtbarsten gehöre, was einer Mutter überhaupt passieren könne, und dass man mit so etwas auch nicht einfach abzuschliessen vermöge.

Im Grunde genommen möchte sie ja nur allzu gern daran glauben, dass das Gespräch mit dem Stellenleiter einen wirklichen Neuanfang in diesem scheinbar nie endenden Drama bedeuten könnte. Vor dem Auflegen bedankt sie sich deshalb sogar noch mit Tränen in den Augen dafür, dass ihr einmal jemand zugehört hat.

War Ihnen das nicht genug, Herr Braun? Mussten Sie wirklich noch Ihre Macht ausspielen, indem Sie eine Woche später diesen Brief, der selbstverständlich nun auch bei Ihren Akten liegt, geschrieben haben? Glauben Sie, dass R. damit gedient ist, wenn nun auch Sie dafür Sorge tragen, das negative Bild dieser verrückten Mutter aufrecht zu erhalten, es – falls aus Ihrer Sicht erforderlich – auch noch jederzeit weiterzumelden an die neue Beiständin?

Glauben Sie tatsächlich, Sie hätten die Lage damit entspannt, oder hoffen Sie insgeheim darauf, mich erneut elegant ausbooten zu können?

Nein, Herr Braun. Ich benötige Ihre Referenz mit dem damit verbundenen Damoklesschwert nicht. Ich habe Sie überschätzt, ganz einfach. Den Kontakt mit der neuen Beiständin werde ich ganz gerne selbst aufgleisen, und Gott sei Dank ist die Erziehungsberatung nicht die einzige Anlaufstelle für familientherapeutische Angebote.

Ihr System kommt einfach nicht ohne diese Machtspielchen aus. Dabei weiss ich doch ganz genau, dass Sie am längeren Hebel sitzen. Sie brauchen mir keine eingeschriebenen Briefe zu schicken, um mich wissen zu lassen, dass Ihr Wort zählt, während meines nichts wert ist.

Sie dürfen der neuen Beiständin gern erzählen, mit welch unmöglicher Mutter sie es demnächst zu tun bekommt. Wenn Sie aber glauben, ihr mit der Info über den Blog eine Neuigkeit zu offenbaren, dann muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich dies bereits für Sie erledigt habe.

Ich habe Ihnen gestern Mittag per Mail Folgendes geantwortet:

„Zunächst einmal danke ich Ihnen für Ihr Schreiben, das jedoch versehentlich an meine Büroadresse gerichtet war. Dies ist aber insofern unerheblich, als dass einzig ich für den Posteingang verantwortlich bin.

Wie wir telefonisch besprochen haben, werde ich wohl zukünftig keinen persönlichen Kontakt mehr mit Herrn Zuber haben, was aber nicht bedeutet, dass ich dessen Aktivitäten meinen Sohn betreffend nicht weiter im Auge behalten werde. An meinen Einschätzungen seine Arbeit und seinen Kommunikationsstil mir gegenüber betreffend muss ich – aller Selbstkritischen Reflexion zum Trotz -, leider festhalten. Es ist allerdings lobenswert, dass Sie sich als Stellenleiter schützend vor Ihren Mitarbeiter stellen.

Den Blog

Hallo auf meinem Blog

werde ich indes in gehabter Form weiterführen. Drohungen Ihrerseits stärken mich nur weiter in meiner Überzeugung, dass die Machenschaften gewisser Player in der Kinderzuteilungsindustrie öffentlich gemacht werden sollten. Ihre Drohungen beeindrucken mich auch insofern nicht, als dass ich mich seit Jahren aktiv und öffentlich gegen eine der brutalsten Diktaturen der Welt, die eritreische Regierung unter Isaias Afewerki, engagiere. Es versteht sich von selbst, dass mir dieses Engagement – sei es nun von hier ansässigen Regime-Anhängern oder auch von Seiten der Schweizer Behörden, welche munter mit dem menschenrechtsverletzenden Diktator kooperieren -, auch nicht immer nur freundliches Feedback einträgt. Damit habe ich leben gelernt.“

So leid es mir tut, Paps! Ich bringe es einfach nicht über mich, den weiteren Fortgang dieser Geschichte in die Hände dieses Mannes zu legen. Gut möglich, dass ich diesen Institutionen gegenüber mittlerweile vollkommen paranoid geworden bin, aber was tue ich, wenn ich jetzt nichts blogge und dieser Mann seine Macht eines Tages wieder gegen mich ausspielt? Ich weiss echt nicht, wie oft ich noch in der Lage bin, immer wieder zu hoffen, um dann wieder aufs Neue in die immer gleiche Schublade geschoben zu werden. Unkooperativ, aggressiv, rechthaberisch…Das ist es doch, was sie in mir sehen wollen. Das Schlimme ist, dass – einmal mit diesem Stempel versehen – du ihn nicht mehr los wirst. Irgend einmal haben sie dich dann sogar soweit, dass du – quasi in vorauseilendem Gehorsam – dich bereits selbst schon so verhältst, wie sie es von dir erwarten. Die Macht der Berichte ist so stark, dass sie dich irgend einmal – wenn auch vielleicht nicht sofort – dorthin kriegen, wo sie dich sehen wollen. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das…

Mitarbeiter*innen sozialer Berufe kennen dieses Phänomen aus ihrer Ausbildung. Auf bestimmte Minderheitengruppen wendet man das gerne immer wieder an. In den USA sind Schwarze statistisch wirklich öfter in Auseinandersetzungen mit der Polizei verwickelt, ihr Anteil an Gefängnisinsassen ist gegenüber der Gesamtbevölkerung überproportional hoch. In der Schweiz machten sie es früher mit den Zwangsversorgten, heute tun sie es mit Flüchtlingen, Sozialhilfebezügern und IV-Anwärterinnen. Ich arbeite mit Flüchtlingen, musste schon Sozialhilfe beziehen, und meine Beziehung zur IV war auch nicht immer unproblematisch…

Und jetzt…? Die Kinderzuteilungsindustrie. Wie um alles in der Welt soll das nur funktionieren?

Aber eins solltet ihr bedenken: Ich habe nichts mehr zu verlieren. Mein Sohn ist weg. Meine ehrenamtliche Arbeit musste ich mir selbst schaffen, weil ihr mich angeblich nicht brauchen könt, und Geld habe ich schon grade gar Keines, was ihr mir wegnehmen könntet.

Das Einzige, was ihr mir nicht nehmen könnt, sind mein Stolz und meine Sprache. Und Jeder und Jede kämpft schliesslich mit den Waffen, die ihm oder ihr zur Verfügung stehen…

Nicht wahr, Herr Braun?

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